TTIP – Fluch oder Segen

Durch die im Sommer neu entstandene Kooperation der Herderschule Gießen und der Technischen Hochschule Mittelhessen (THM) war es möglich, dass Prof. Dr. Hayo Reimers – Fachgebiet Betriebs- und Volkswirtschaftslehre – am 22.11.2016 einen Fachvortrag über ein aktuelles politisches Thema hielt. Der Titel des Vortrags lautete TTIP – Fluch oder Segen.

Zunächst sprach Reimers die Grundgedanken des transatlantischen Freihandelsabkommens an, zu denen als erster Punkt das Ziel zählt, alle bestehenden Handelshemmnisse, beispielsweise Zölle und Einschränkungen im Transitverkehr, abzuschaffen. Außerdem sollten mit TTIP internationale Schiedsgerichte eingerichtet werden und somit eine Anpassung in vielen Bereichen die Folge sein. Das bereits unterzeichnete Freihandelsabkommen zwischen der Europäischen Union und Kanada, CETA, sei eine Blaupause, quasi sogar eine Generalprobe für TTIP, so Reimers. Folglich könnte man bei CETA auftretende Probleme, während den Verhandlungen zu TTIP noch beheben und sie so für jenes Abkommen eliminieren. Als nächsten Punkt sprach Reimers noch einen weiteren Aspekt von hoher Wichtigkeit an, nämlich die Drittländer. Drittländer sind in der heutigen Gesellschaft Staaten, die nur indirekt beziehungsweise gar nicht von TTIP profitieren können, da sie nicht direkt an jenem Freihandelsabkommen beteiligt sind. Aufgrund dessen lässt sich ein Wachstum des Bruttoinlandsproduktes von fünf Prozent in den USA und von vier Prozent in der EU für die kommenden zehn bis zwanzig Jahre erwarten. Die angesprochenen Drittländer würden jedoch ein Minus von 0,9 Prozent verzeichnen. Diese Einbuße sei allerdings akzeptabel, da der allgemeine Gewinn deutlich höher liege, als die Summe der durch TTIP verursachten Abschläge. Des Weiteren gäbe es einen Anstieg der Arbeitsplätze von 400.000 in den Vereinigten Staaten und 100.000 in der EU. Doch neben den Vorteilen erwähnte Reimers auch die Nachteile des Abkommens. Dazu steigt er mit dem so genannten ,,Race to the Bottom“ ein, welches in Bezug auf die sinkenden Umweltstandards immer wieder angesprochen wird. Denn dieses würde die Herabsenkung einiger Klimaschutzziele bei in Kraft treten TTIPs mit sich führen. Der letzte und gewichtigste Kontra-Aspekt sind dann nach Reimers noch die zahlreichen Kontroversen zwischen den Verhandlungspartnern, da viele Ansichten von USA und EU sich grundlegend unterscheiden. Letzte Hoffnung in diesen Punkten wären dann nur noch internationale Schiedsgerichte.

Insgesamt ist der Vortrag also als eine Gegenüberstellung von Pro- und Kontra-Argumenten, wie bereits Titel des Vortrages deutlich macht. In Bezug auf diese Fragestellung legt Reimers also dar, dass TTIP durch seine vielen Vorteile als Segen, aber durch die zahlreichen negativen Aspekte auch als Fluch angesehen werden kann. Durch seinen Bezug auf stichhaltige Beispiele war der Vortrag mehr als nur ein Appetithappen für interessierte Schüler, sondern vielmehr ein tiefgründiger Fachvortrag mit weitreichenden Informationen, der das intransparente Freihandelsabkommen TTIP um einiges besser durchleuchtete und die Zuhörer zu Experten auf dem Gebiet machte.

Leon Hesse, Lucian Schäfer

Grundkurs Wirtschaftswissenschaften

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