Mit Mini-Marathon zum maximalen Erfolg

GIESSEN – (rd). Bejubelt werden wie die Großen und dann vielleicht selbst ein Großer werden – wer beim Frankfurter Mini-Marathon startet, der hat zwei Ziele vor Augen. Eines in 4,2 Kilometern Entfernung und eines, das sich vielleicht ein paar Jahre später erfüllt: Eine Karriere als Langstreckler. Oder überhaupt als Leichtathlet. Sehr gute Voraussetzungen haben offensichtlich insbesondere Mädchen und Jungen der Herderschule, die jetzt im Nachgang des Frankfurt-Marathons ihren Siegerscheck über 600 Euro präsentieren durften. Ein schöner, wenn auch nicht einmaliger Erfolg. Denn das Gymnasium aus dem Gießener Westen gehört in den letzten zehn Jahren zu den drei erfolgreichsten Schulen des Traditionslaufes durch die Mainmetropole, der weit über die hessischen Grenzen hinweg wahrgenommen wird.

Die Herder-Läufer als härtere Läufer platzierten sich stets unter den ersten Fünf Mannschaften und strichen alleine von 2012 bis 2017 1500 Euro an Preisgeldern ein. „Wenn man bedenkt, dass in der Regel 2000 Schülerinnen und Schüler aus ungefähr 60 Schulen am Start sind, ist das ein sehr schöner Erfolg“, sagt Peter Ries, der seit seinem Wechsel vom Adolf-Reichwein-Gymnasium in Heusenstamm im Jahr 2008 die Mini-Marathon-AG an der Herderschule „als Rekrutierungsbecken für das Rennen“ ins Leben rief. Die Ergebnisse geben dem ehemaligen Leistungsturner recht, der zuvor auch mit den Heusenstammern im Jahr 2006 bereits Platz zwei erreichte.

Beim Mini-Marathon in Frankfurt setzt sich die Mannschaft im Windschatten der 42,195 Kilometer-Hochleistungsathleten aus Schülerinnen und Schülern der Jahrgangsstufen sechs bis zwölf zusammen. „Unsere besondere Stärke ist die Ausgeglichenheit beziehungsweise Homogenität“, sagt Ries, der über das Laufen hinaus immer wieder die Bedeutung des Sports für die Entwicklung der Kinder und Jugendlichen hervorhebt.

Motivation für die Herder-Marathoni stellen alleine schon die professionellen Bedingungen dar. So die Zeitmessung mit einem Chip und einem Startkorridor für die Spitzenläufer. Und selbstverständlich findet auch der Mini- auf der Originalmarathonstrecke statt. Selbst der Zieleinlauf ist – wie bei den Profis – die Frankfurter Festhalle. Dort werden die Mini-Marathoni von mehreren tausend Zuschauern mit viel Applaus empfangen.

Was für das siegreiche Herderschulen-Team, das Mannschaftsergebnis wird aus den fünf besten Altersklassenstartern ermittelt, freilich umso mehr galt. Ben Jung, Josua Monden, Till Klein, Lene und Lilly Teßmer erreichten das vorzügliche Ergebnis für die starke Laufgruppe von Peter Ries, wobei sie auch die stärksten Kontrahenten der letzten Jahre vom Städtischen Gymnasium Bad Laasphe und dem Elisabeth-Langgässer-Gymnasium in Alzey (Rheinland-Pfalz) hinter sich ließen.

Der Mini-Marathon, weiß Ries, gilt als Sprungbrett für Spitzenathleten und nimmt deshalb im Wettkampfkalender einen festen Platz ein. Ein Beispiel ist Gesa Felicitas Krause (Weltklasseathletin über 3000m Hindernis), die bis heute den Streckenrekord über die Mini-Marathondistanz von 4,2 km hält. Stärkster Läufer der Herderschule war in der Vergangenheit der 800m-Spezialist Niklas Harsy (U 20 Nationalmannschaft), der 2013 in seiner Altersklasse gewinnen konnte.

Freude auch in Sambia

Und auch, wenn es für das erfolgreiche Team noch ein weiter Weg bis in diese Leistungsdimensionen sein mag, gibt es in der Ferne weitere Gewinner, die sich über den Sieg der Gießener mitfreuen. Denn die Mini-Marathonis haben sich dafür entschieden, ihrer Partnerschule in Afrika (Linda South Primary School in Livingstone, Sambia) 450 Euro zu spenden. Und als Lohn für die eigenen Mühen ist mit den restlichen 150 Euro eine gemeinsame Aktivität geplant.

Rüdiger Dittrich, Gießener Anzeiger, 30.11.2017