„Indien hat sehr viel zu bieten“

Ein Ritt auf einem Elefanten? Pferde- und Kamelkarren als ganz normale Verkehrsteilnehmer in Innenstädten und auf Schnellstraßen? Für eine Delegation der Gießener Herderschule gehörte dies eine Zeit lang zur Normalität.

Begeistert und erschöpft, aber auch nachdenklich kehren die dreizehn Schülerinnen und Schüler und die beiden begleitenden Lehrer aus Indien zurück. Siebzehn Tage lang konnten die Schüler, die die Oberstufe der Herderschule besuchen, bei ihrem Austausch mit der Mayoor School in Noida Einblicke in die indische Kultur gewinnen und dabei Familien und Feste kennen lernen, am indischen Unterricht teilnehmen und Freundschaften schließen. „Indien hat sehr viel zu bieten“, erzählt Jan Guckes, der den Austausch hauptsächlich organisiert, „aber als Europäer muss man sich auch auf einige Veränderungen im Alltag gefasst machen.“

Die Unterschiede beginnen bei der morgendlichen Sichtweite – zur Zeit des Austauschs wurden in den umgebenden Regionen Delhis die von der Reisernte übrigen Strohhaufen verbrannt, was das Gebiet an vielen Tagen unter einer Smogglocke einkesselte – und hören bei ungewöhnlichen Gerichten wie dem Brot Naan, einem Sauerteigfladen, Dal, einem Linseneintopf in unzähligen Varianten, und der allgegenwärtigen Schärfe und Würzigkeit des Essens noch lange nicht auf. So werden Schulen, aber auch Kauf- und Bürohäuser Tag und Nacht von Sicherheitsdiensten bewacht, auf den Straßen bewegen sich die heiligen Kühe frei umher, aber auch Rudel von Straßenhunden sind unterwegs. Zwischen den täglich wachsenden Wolkenkratzern der Industriegebiete haben Menschen Zelte und Wellblechhütten errichtet.

Doch nicht nur das heutige Indien, auch die Geschichte des Landes war ein zentrales Thema des Austauschs. Ein Höhepunkt des Austauschs ist der Besuch des Taj Mahal, das zu den neuen sieben Weltwundern zählt. Das beeindruckende Gebäude aus weißem Marmor ist mit unzähligen Einlegearbeiten verziert, welche aus Steinen aus aller Welt bestehen und wurde in 22 Jahren von über 20.000 Arbeitern errichtet. Dem Architekt wurden, so die Legende, beide Hände abgeschlagen um die Einzigartigkeit des Bauwerks zu sichern.

Besonders beeindruckt hat die Schüler das Amer Fort in der Nähe von Jaipur im Bundesstaat Rajasthan: Die kolossale, auf einem Berg gelegene Festung erreicht man vom Tal aus in etwa zwanzig Minuten auf dem Rücken eines Elefanten. Während des Ritts auf den Dickhäutern schweift der Blick von dem beeindruckenden Mauerwerk über Berghänge, an deren Fuß ein See liegt.

Experten wurden die Herderschüler nach und nach, angeleitet von ihren Gastgebern, im auf den Basaren allgegenwärtigen Handeln. 1600 Rupien Einstiegspreis für eine Figur? Da kann man sich auch einmal auf einen Endpreis einigen, der bei einem Achtel davon liegt, egal ob es sich um ein Andenken oder ein T-Shirt handelt.

Auch der alltägliche Straßenverkehr funktioniert in Indien etwas anders, als man dies in Deutschland gewöhnt ist. Grundsätzlich gilt Linksverkehr, tatsächlich wird vor allem bei fast jedem Überholvorgang anhaltend die Hupe verwendet – als Warnsignal. Überholt wird auf der Seite, die sich gerade anbietet, gleiches gilt bei entsprechender Verkehrslage für die Fahrtrichtung in Kreisverkehren. Was in einem System, in dem die Verkehrsteilnehmer auf Hufen, zwei, drei, vier oder mehr Rädern unterschiedlicher nicht sein könnten, erstaunlich gut funktioniert.

Die Schüler und ihre begleitenden Lehrer ziehen ein positives Fazit: Nicht nur die indische, sondern auch die eigene Kultur – und einige der in Deutschland als selbstverständlich geltenden Annehmlichkeiten – hat man durch diese Zeit schätzen gelernt. Im Mai wird der Gegenbesuch stattfinden. Der „Kulturschock“ wird für die Delegation aus Noida bestimmt nicht geringer ausfallen, überwiegen wird aber sicherlich die Freude über das Wiedersehen der vertrauten Gesichter. Den Austausch bieten die beiden Schulen den Schülern der jeweiligen Oberstufen alle zwei Jahre an.

« 1 von 5 »

Durch die weitere Nutzung der Seite stimmst du der Verwendung von Cookies zu. Weitere Informationen

Die Cookie-Einstellungen auf dieser Website sind auf "Cookies zulassen" eingestellt, um das beste Surferlebnis zu ermöglichen. Wenn du diese Website ohne Änderung der Cookie-Einstellungen verwendest oder auf "Akzeptieren" klickst, erklärst du sich damit einverstanden.

Schließen