Herderschule forciert die ökonomische Grundbildung

Im Januar 2015 hatte die 17-jährige Schülerin Naina aus Köln mit dem folgenden Tweet bundesweit für Aufregung gesorgt: „Ich bin fast 18 und hab keine Ahnung von Steuern, Miete oder Versicherungen. Aber ich kann ’ne Gedichtsanalyse schreiben. In vier Sprachen.“ Die Reaktionen aus der Politik ließen nicht lange auf sich warten. Bundeswirtschaftsminister Gabriel, der vor seiner Polit-Karriere als Lehrer in Niedersachsen arbeitete, forderte postwendend, das Fach Ökonomische Bildung fest in den Lehrplänen von Schulen zu verankern. Er selbst habe sein Abitur in Wirtschaftslehre gemacht, und das sei ein „großes Glück“ gewesen, so der Minister. Auch Bundesbildungsministerin Johanna Wanka äußerte sich zu Nainas Tweet: „Ich finde es sehr positiv, dass Naina diese Debatte angestoßen hat.“ Aufgrund der Dominanz des Ökonomischen in den westlichen Gesellschaftsordnungen und dem rasanten technologischen Wandel (Stichwort: Wirtschaft 4.0) muss man sich in der Tat die Frage stellen, wie viel Wirtschaftswissen Schüler brauchen, um beispielsweise den Wirtschaftsteil von Tageszeitungen zu verstehen, oder – und das ist wohl eher Nainas Anliegen – um persönliche Lebenssituationen bewältigen zu können. Da diese Fragestellung auch zunehmend unter Wirtschaftspädagogen diskutiert wird, hat sich die Herderschule auf Initiative der Fachkonferenz Politik und Wirtschaft dafür entschieden, im Rahmen einer Pilotstudie des wirtschaftswissenschaftlichen Instituts der Goethe-Universität Frankfurt die ökonomische Grundbildung ihrer Schülerschaft stichprobenartig überprüfen zu lassen. Dazu wurde auf Antrag von Herrn Ries, der das Projekt mit der Goethe-Uni koordiniert, ein neues Fach aus der Taufe gehoben, das sich Wirtschaft und Politik (WiPo) nennt. Das Fach wird aktuell vierstündig in der Einführungsphase unterrichtet. Um konkrete Aussagen über den Leistungsstand des WiPo-Kurses machen zu können, mussten sich die Probanden zu Beginn des laufenden Schuljahres einer Lernstandserhebung unterziehen. Dieser Eingangstest wurde von einer Arbeitsgruppe um die Frankfurter Wirtschaftspädagogin Prof. Wuttke entwickelt, mit dem Ziel, eine konkrete – d. h. wissenschaftlich fundierte – Aussage über die wirtschaftliche Kompetenz von Oberstufenschülern und deren Einstellungen zu Wirtschaftsthemen treffen zu können. Neben der Herderschule wurden noch fünf weitere hessische Schulen in das Testverfahren mit einbezogen. Die wissenschaftliche Studie ist eng mit dem neu entwickelten Funkkolleg Wirtschaft des Hessischen Rundfunks verknüpft, das ebenfalls von Frau Wuttke wissenschaftlich betreut und koordiniert wird. Daher ist auch die Teilnahme der Probanden am Funkkolleg verpflichtend. Die Frankfurter Wissenschaftler sind daran interessiert, herauszufinden, wie stark sich die Rezeption der Sendungen gepaart mit der Vertiefung der Inhalte im Unterricht auf den Wissenszuwachs auswirkt. Aus diesem Grund müssen sich alle an der Studie beteiligten Lerngruppen im Juni einem erneuten Testverfahren unterziehen, um signifikante Aussagen über den Wissenszuwachs treffen zu können. Parallel dazu ist durch die Teilnahme am Funkkolleg Wirtschaft der Erwerb eines hochkarätigen Zertifikats möglich. Die Hürden, die die Schülerinnen und Schüler dafür überwinden müssen, sind allerdings sehr hoch: Neben einer Onlineklausur, die unsere Schüler bereits im Februar erfolgreich absolviert haben, gilt es nun – Anfang Juni – die alles entscheidende Präsenzklausur zu bestehen.

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