Gäste aus Indien erkunden „Bau(m)werke“

Die Jugendlichen staunten nicht schlecht: „Wirklich, wir reisen mit dem Bus in nur zwei Stunden 180km weit? Dafür brauchen wir zu Hause doch fünf bis sieben Stunden“. Ja, ein Schulaustausch öffnet Türen und Tore in eine unbekannte Welt und es lohnt sich, einen Blick hindurch zu werfen.

Zu Gast waren 13 Schülerinnen und Schüler sowie die stellvertretende Schulleiterin und eine der Deutschlehrerinnen der Mayoor School, Noida aus Indien. Bereits zum zweiten Mal besuchte eine Schülerdelegation die Herderschule Gießen, die seit 2012 Partnerschulen ist und im letzten Herbst ebenfalls mit einer Schülergruppe das ferne Indien besuchte.

Unter dem Motto „Bau(m)werke“ erkundeten die Gäste nicht nur mittelhessische Städte, sondern verbrachten auch zwei Tage in Köln, schipperten auf dem Main bei Frankfurt und erklommen Bäume im Kletterwald Gießen. Immer dabei waren die Smartphones und Kameras, die fleißig die vielfältige Nutzung des Holzes dokumentierten. Doch es sind nicht nur die Burgen, Schlösser  und Denkmäler oder die Wälder, die saubere Luft oder der wesentlich stärker als zu Hause geregelte Straßenverkehr, was den indischen Schülern im Kopf bleiben wird, sondern vielmehr die Erfahrungen mit den Gastfamilien und dem Alltag, den wir selbst kaum noch in Frage stellen. So kommt man leicht ins Grübeln über den Luxus, in dem man selbst lebt und es kaum merkt, wenn man gefragt wird, wie man denn das Wasser im Bad erhitzen könne oder ob es wirklich kein Problem darstellt, das Leitungswasser direkt aus dem Hahn zu trinken. Jeder, der selbst einmal in Indien oder einem vergleichbaren Land war, wird bestätigen können, dass dies keine Selbstverständlichkeiten sind. Andererseits mussten sich die indischen Schüler zum Teil sehr umstellen: Für viele war es ungewohnt, dass es in den Gastfamilien keine Angestellten im Haushalt gibt, die kochen, putzen und sich um den Garten kümmern. Hier hieß es dann selbst Hand anlegen und z.B. den Tisch mit abräumen.

Auch der Vergleich zwischen den beiden Schulen zeigte große Unterschiede, an die es sich zu gewöhnen galt. So liegt ein inhaltlicher Schwerpunkt der Mayoor School auf der musischen Arbeit, sodass die Schüler vermehrt an Tanz- und Musikstunden teilnehmen. An der Herderschule hingegen gibt es eine breit aufgestellte Stundentafel, die individuell durch Profilfächer und Leistungskurse ausgestaltet wird. Die gute Ausstattung der Herderschule schaffte dazu den räumlichen Rahmen und wurde z.B. während eines Genetikpraktikums für die indischen Gäste im eigenen Genlabor mit großer Begeisterung aufgenommen. Verwundert waren die Austauschschüler aus Indien jedoch, dass ihre Gastschüler nicht sämtliche Telefonnummern ihrer Lehrer im Handy gespeichert hatten. Wie solle man sich denn dann nach Unterrichtsschluss mit den Lehrern kurzschließen oder Bescheid geben können, dass man etwas später zum Unterricht komme? Doch neben all den Unterschieden verband das große Miteinander und die Freude, andere Menschen und Kulturen kennen zu lernen die Gruppen, sodass bei der Verabschiedung am Flughafen viele Tränen flossen und Einladungen nach Indien ausgesprochen wurden. Die Herderschule blickt nun auf einen weiteren gelungenen Austausch zurück und wird im nächsten Jahr wieder eine Gruppe nach Noida schicken.

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